Neuraltherapie

Die Neuraltherapie ist eine Regulationstherapie. Sie geht auf die Entdeckung durch die Brüder Walter und Ferdinand Huneke (1925) zurück.

Die Neuraltherapie ist eine Injektionsbehandlung, welche Lokalanästhetika zur Diagnostik und Therapie benutzt: Es werden gezielt Reize gesetzt und pathologische Belastungen unterbrochen (z.B. „Teufelskreis“ im Schmerzgeschehen). Dadurch wird das schmerzverarbeitende System desensibilisiert, es kann sich neu organisieren und den physiologischen Zustand wieder anstreben.

Aus Lorenz Fischer: Neuraltherapie. Neurophysiologie, Injektionstechnik und Therapievorschläge. 4. vollständig überarb. Aufl., Stuttgart; MSV: 2014.

Indikationen

Akute und chronische Schmerzen, neurogene Entzündungen, Durchblutungsstörungen, Autoimmunerkrankungen, vegetative Störungen u.a.

Behandlungsarten

1. Lokale Therapie

Hier wird direkt in die betroffene Struktur injiziert: z.B. in die Muskulatur (Triggerpunkte), an schmerzhafte Sehnenansätze und an Gelenke usw.

2. Segmentale Therapie

Haut, Muskulatur und inneres Organ sind reflektorisch (d.h. über die Nervenbahnen via Rückenmark) miteinander verschaltet. Der Hauptträger dieser Verschaltung ist der Sympathikus. Die Segmenttherapie wirkt regulierend auf die Haut, auf die Muskulatur und auf das innere Organ. Injektionsorte sind vegetative Ganglien, Nervenwurzeln, periphere Nerven usw.

3. Störfeldtherapie („Störfeld“ = neuromodulatorischer Trigger):

Das Störfeld ist ein chronischer, selbst meist asymptomatischer, Reizzustand einer bestimmten Struktur (Veränderungen im Zahn-Kieferbereich, gereizte Narben, chronische Entzündungen usw.). Störfelder können Schmerzen und Erkrankungen ausserhalb des anatomischen Segments verursachen, da deren anhaltende Impulse zu funktionellen und strukturellen Veränderungen im Nervensystem führen. So können neue Verbindungen zwischen Nerven geschaffen werden (Neuroplastizität). Das hat zur Folge, dass das Schmerzsegment viel weiter gefasst wird als das anatomische Segment. Deshalb wird das Meiste aus dem Störfeldgeschehen heutzutage dem Segment zugeordnet („erweitertes Segment“).

Weitere Prinzipien der Neuraltherapie

Die Injektionen werden nicht nur zur Therapie angewendet: Die gezielte kurzzeitige Ausschaltung schmerzhafter Strukturen erlaubt auch eine präzise Diagnostik: Beispielsweise bei schmerzhaften Verhärtungen in der Muskulatur (Triggerpunkte), Nerven, blockierten Gelenken usw. Die Neuraltherapie wirkt u.a. über die regulatorischen Eigenschaften des vegetativen Nervensystems. Schmerzen und Entzündungen können von einem Teil des vegetativen Nervensystems, dem Sympathikus verursacht und aufrechterhalten werden. Hier bewirkt eine (evtl. wiederholte) neuraltherapeutische Behandlung eine Unterbrechung des „Teufelskreises“ von Schmerz und Entzündung.

Lorenz Fischer: Neuraltherapie. Neurophysiologie, Injektionstechnik und Therapievorschläge. 4., vollst. überarb. Aufl., MVS, Stuttgart, 2014. ISBN 978-3-8304-7492-0

Das Buch ist in verschiedenen Ländern Ausbildungsgrundlage und wurde in vier Sprachen übersetzt.

Lorenz Fischer, Elmar Peuker (Hrsg.): Lehrbuch Integrative Schmerztherapie. Haug, Stuttgart, 2011. ISBN: 978-3-8304-7382-4

Dies ist das erste integrative Schmerzlehrbuch überhaupt und umfasst die schulmedizinische und komplementärmedizinische Schmerztherapie.

Buch Integrative Schmerztherapie

Hans Barop: Lehrbuch und Atlas Neuraltherapie. 2., überarb. und erw. Aufl., MVS, Stuttgart, 2014. ISBN: 978-3-8304-7767-9